Zeitgeschichte

1526

Ein gewisser Henricus Wulfius aus Lingen lässt sich an der Universität Wittenberg einschreiben, um dort den Magistergrad zu erwerben. In Wittenberg hört er Martin Luther. Gegen Luther war damals schon der Kirchenbann und die Reichsacht verhängt worden. Doch alle Drohungen und Zwangsmaßnahmen haben die Verbreitung seiner Lehre nicht verhindern können. Martin Luther beruft sich auf die Heilige Schrift.

1541

Lingen bekommt einen neuen Landesherrn: Graf Konrad von Tecklenburg. Der neue Landesherr will die Kirche nach lutherischem Vorbild reformieren. Ein Teil der Pfarrer wird evangelisch. Bei eintretenden Vakanzen werden lutherische Prädikanten eingesetzt.

1543

erlässt Graf Konrad eine neue Kirchenordnung. Sie ist eindeutig lutherisch geprägt und im Vergleich zu anderen Kirchenordnungen auf evangelischer oder katholischer Seite doch nicht radikal: Einige Marienfeste werden beibehalten.

1544

lässt Graf Konrad die St. Walburgiskirche in Lingen abbrechen, um die Befestigung der Burg zu verbessern, den Marktplatz zu vergrößern und das Schloss auszubauen. Als Ersatz für die abgerissene Kirche wird ein anderes Kirchengebäude, die Vorläuferin der heutigen reformierten Kirche, errichtet.

1547

Graf Konrad muss Lingen an den kaiserlichen Heerführer Graf Maximilian Egmont von Büren abtreten. Lingen gehört ab 1551 zum burgundisch-niederländischen Besitz der Habsburger, fällt an den spanischen König Philipp II. und wird 1559 dem Bistum Deventer unterstellt. Lingen und Umgebung gelten nun wieder als katholisches Gebiet. Die Reformen des Grafen von Tecklenburg werden zurückgenommen.

1597

Moritz von Oranien erzwingt den Abzug der Spanier und versucht, die evangelische Konfession reformierter Prägung auch in seinem neuen Herrschaftsbereich heimisch zu machen. Bürgermeister und Ratsherren werden auf die reformierte Konfession verpflichtet. Katholische Geistliche verlieren ihre Einkünfte und verlassen das Land. Die Kirchengebäude werden evangelisch-reformierten Gemeinden zugeschlagen.

1605

Der Spanier Spinola erobert Lingen. Die reformierten Prediger müssen das Land verlassen. Die Kirchen werden den katholischen Gemeinden übergeben. Der katholische Gottesdienst wird wieder eingeführt.

1633

Lingen ist wieder unter oranischer - und damit reformierter - Herrschaft. Die reformierte Kirche wird bevorzugt, die katholische Kirche dagegen rechtlich und finanziell benachteiligt. Bis 1648 bleiben Katholiken in ihrer Religionsausübung unbehelligt. Weder Kirchengebäude noch Pfarrhäuser noch Kirchengüter werden konfisziert. 1648 wird das reformierte Bekenntnis zur einzig anerkannten Landesreligion erklärt. Die Kirchen und Schulen werden den Reformierten übergeben, die Kirchengüter werden eingezogen.

1674

Nach einem kurzen Zwischenspiel - zwei Jahre lang hat Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster die Grafschaft Lingen besetzt und eine Rekatholisierung in die Wege geleitet - kommt es unter den Oraniern zu verschärften Maßnahmen gegen die katholische Kirch: Taufen, Trauungen und Beerdigungen dürfen nur von reformierten Pfarrern vorgenommen werden, Priestern wird der Aufenthalt im Lande verboten.

1717

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts fällt Lingen an Preußen. Am 17. August 1717 wird den katholischen Christen ausdrücklich gestattet, ihren Gottesdienst in Privathäusern zur selben Zeit wie die Reformierten zu halten und katholischen Geistlichen Wohnhäuser zu erbauen. Andere Benachteiligungen der katholischen Konfession freilich bleiben bestehen.

1727

In Lingen wohnen mittlerweile auch wieder einige lutherische Christen. Der preußische König gibt ihnen am 5. Dezember 1727 das Recht auf freie öffentliche Religionsausübung. Am 11. April 1728 wird Pastor Johann Anton Naber dem kleinen lutherischen Haufen in Lingen als ihr erster Seelsorger vorgestellt und in sein Amt eingeführt. Die lutherische Gemeinde hält ihre Gottesdienste im Hörsaal der Universität.

1737

Am 1. Ostertag 1737 wird die erste lutherische Kirche Lingens nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Sie befindet sich an durchaus prominentem Ort neben der Universität.

1823

Die Lutheraner in Lingen und Umgebung teilen die Geschicke der Region. 1795 beschlagnahmen englisch-hannoversche Truppen sämtliche Lingener Kirchen. Sie benutzen die katholische Kirche als Pferdestall und die lutherische Kirche als Lazarett. 1815 beginnt die Zeit unter Hannoverscher Herrschaft. 1823 widersetzt sich die lutherische Gemeinde einem Versuch der Obrigkeit, sie der Aufsicht des reformierten Superintendenten zu unterstellen.

1924

Im 19. Jahrhundert ist die lutherische Kirche in Lingen kontinuierlich gewachsen. Alle Kirchen betätigen sich karitativ und sozial. Viele Christen sammeln sich in Vereinen. Jedoch kann nicht übersehen werden, dass manche Menschen der Kirche distanziert gegenüberstehen. Die enge Verzahnung von staatlicher Obrigkeit und Kirche ist gelöst. Es ist nicht mehr selbstverständlich, einer christlichen Kirche anzugehören - auch wenn die weitaus überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Lingens im 20. Jahrhundert kirchlich gebunden bleibt.

1952

Zwei Weltkriege hat es gegeben in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinter den Kirchen liegt die Erfahrung einer staatlichen Obrigkeit und Diktatur, die den christlichen Einfluss in der Gesellschaft zurückdrängen wollte und zum Teil mit Erfolg zurückgedrängt hat. Seit 1945 sind Flüchtlinge und Vertriebene nach Lingen gekommen, die meisten von ihnen vollkommen mittellos. Viele dieser Flüchtlinge und Vertriebenen sind evangelisch-lutherischer Konfession. Vielen von ihnen ist oder wird die Kirche geistliche Heimat.

1958

Die Evangelisch-lutherische Johanneskirche wird gegründet. Das Kirchengebäude befindet sich an der Kreuzung Schützenstraße / Loosstraße. Zur Johanneskirche gehören auch die lutherischen Christen in Darme. Der erste Pastor der Kirchgemeinde ist Gotthard Gleditsch.

1960

Am 1. April 1960 wurden von der Landeskirche Hannover die Grenzen der Johanneskirchengemeinde festgelegt und damit auch die Herauslösung aus der Kreuzkirchengemeinde verfügt.

1990

Die Kirchengemeinde wächst in den kommenden Jahren noch einmal stark, vor allem durch den Zuzug vieler Christen aus dem Bereich der ehemaligen Sowjetunion, die zur Johanneskirche finden. Mit besonderer Hingabe wendet sich Pastor Dieter Grimmsmann diesen Mitchristen zu und bemüht sich um ihre Integration in die Gemeinde.

1998

Feier zum 40jährigen Jubiläum

2001

Die Evangelisch-lutherische Johanneskirche zählt mehr als 5.500 Gemeindeglieder, die vor allem in den Stadtteilen Bramsche, Darme, Laxten und im Gauerbach wohnen. Sie ist damit die weitaus größte evangelische Kirchengemeinde in Lingen. Evangelisch-lutherische Christen wirken in allen Bereichen des öffentlichen Lebens mit.

2007

In der Johanneskirche arbeiten heute viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen und 26 bezahlte teil- oder vollzeitbeschäftigte MitarbeiterInnen mit. Sie alle sorgen für ein reges Gemeindeleben.

2008

Die Johanneskirche wird 50.